Wenn du jemals ein Manuskript an einen Lektor geschickt hast, hast du diesen Satz gehört: „Mehr Show, weniger Tell!“ Es ist das Mantra aller Schreibwerkstätten. Aber was heißt das wirklich? Und warum ruinieren manche Autoren ihre Bücher, weil sie die Regel zu ernst nehmen?
Was ist „Telling“ (Berichten)?
„Telling“ fasst Informationen zusammen und serviert sie dem Leser auf dem Silbertablett. Der Autor interpretiert die Situation für den Leser.
Beispiel Telling:
Maria war traurig, weil ihr Freund Schluss gemacht hatte. Es war ein kalter Tag.
Das Problem: Es ist langweilig. Wir wissen, dass sie traurig ist, aber wir fühlen es nicht.
Was ist „Showing“ (Zeigen)?
„Showing“ beschreibt Handlungen, sensorische Eindrücke und Reaktionen. Der Leser muss selbst schlussfolgern, was die Figur fühlt. Das erzeugt „Kopfkino“.
Beispiel Showing:
Maria starrte auf das Display. „Gelesen: 14:03 Uhr“. Keine Antwort. Sie zog den Schal enger, aber das Zittern hörte nicht auf. Der Kaffee in ihrer Hand war längst kalt geworden.
Siehst du den Unterschied? Ich habe weder das Wort „traurig“ noch „kalt“ (im Sinne von Wetter) direkt benutzt. Aber du spürst die Kälte und die Einsamkeit.
Wann du „Show, don’t Tell“ ignorieren solltest
Hier machen Anfänger oft Fehler: Sie versuchen, alles zu zeigen. Das bläht das Buch unnötig auf. Manchmal ist „Telling“ besser – nämlich bei Übergängen oder unwichtigen Informationen.
Schlechtes Showing (unnötig lang):
„Er nahm den Schlüssel, steckte ihn ins Schloss, drehte ihn zweimal nach links, drückte die Klinke herunter und trat über die Schwelle, um dann die Tür hinter sich ins Schloss fallen zu lassen.“
Hier interessiert niemanden das Detail. Schreib einfach: „Er schloss die Tür auf und ging rein.“ (Telling).
Die Faustregel für dein Manuskript
Nutze Showing für:
- Emotionale Höhepunkte.
- Wichtige Charaktermomente.
- Spannungsszenen.
Nutze Telling für:
- Reisen von A nach B (wenn unterwegs nichts passiert).
- Zeitsprünge („Drei Wochen später…“).
- Alltägliche Handlungen ohne Bedeutung.
Checke dein aktuelles Kapitel: Wo behauptest du Gefühle („Er war wütend“), statt sie durch eine geballte Faust oder ein rotes Gesicht zu zeigen?
