Warum eigentlich PMR?

Warum PMR Norbert Domhoefers Funk Taschenbuch

Ein Blick in Norbert Domhöfers Funk-Taschenbuch

Irgendwie hatte ich dieses schmale Taschenbuch von Norbert Domhöfer jetzt eine ganze Weile auf dem Schreibtisch liegen, zwischen all den Technik-Wälzern und Handbüchern, die man sonst so wälzt. Es heißt schlicht „Funken PMR446“. Erschienen ist es 2023, wobei das Copyright schon von 2021 stammt. Ein bisschen fühlt es sich so an, als hätte da jemand in der Pandemie-Zeit, als wir alle plötzlich viel Zeit und wenig Kontakte hatten, seine Leidenschaft für kleine schwarze Kästen mit Antennen neu entdeckt. Domhöfer schreibt das im Vorwort auch fast genau so. Er wollte wohl verhindern, dass diese Geräte, die oft in Kinderzimmern verstauben, als bloßes Spielzeug abgestempelt werden.

Was mir beim ersten Durchblättern auffiel: Das Layout ist… nun ja, funktional. Es wirkt ein bisschen wie eine sehr gut sortierte Materialsammlung, die man sich in einem Copyshop hat binden lassen. Keine Hochglanz-Grafiken, stattdessen ehrliche Tabellen und Fotos, die auch mal ein Balkongeländer im Hintergrund zeigen. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Es geht hier nicht um Hochtechnologie für Profis, sondern um „Lizenzfrei und für Jedermann“.

Technik ohne den großen Schreck

Domhöfer versucht sichtlich, niemanden mit Fachchinesisch zu verschrecken. Er schreibt über LPD, Freenet und CB-Funk, landet dann aber schnell bei seinem eigentlichen Thema, dem PMR446. Es geht um diese 16 analogen Kanäle, die man heute so nutzt. Interessant fand ich die Beobachtung, dass viele Billiggeräte aus dem Discounter oft noch auf den alten 8 Kanälen hängen geblieben sind. Wenn man dann auf Kanal 9 bis 16 ausweicht, hat man plötzlich seine Ruhe. Ein simpler Tipp, aber eigentlich ziemlich clever, wenn man in einer belebten Gegend wohnt.

Stellenweise wird es dann doch ein bisschen technisch, etwa wenn es um CTCSS und DCS geht. Das sind diese Unterkanäle, die eigentlich gar keine echten Kanäle sind, sondern eher eine Art digitaler Türsteher für den Lautsprecher. Er erklärt das ganz ordentlich, auch wenn ich beim Lesen kurz dachte: „Brauche ich das wirklich?“. Er verweist für die ganz tiefen Details dann doch lieber auf Wikipedia. Das wirkt ehrlich. Er weiß, wo seine Zielgruppe aufhört.

Praxis zwischen Wandern und Autokolonne

Der Hauptteil des Buches widmet sich dann der Praxis. Da sind die Klassiker dabei: Wandern, Radtouren, Baustellen. Schön fand ich die Szene, in der er beschreibt, wie Gitte über Funk die ganze Familie informiert, dass Oma gerade angekommen ist. Das hat fast was Nostalgisches, so ganz ohne WhatsApp-Gruppe.

Ein bisschen sperrig wird es beim Thema „Funken im Auto“. Domhöfer erklärt lang und breit, dass so ein Auto eigentlich ein Faraday’scher Käfig ist. Wer hätte gedacht, dass man für eine ordentliche Reichweite im Konvoi eigentlich eine Magnetfußantenne auf dem Dach braucht? Er erwähnt hier Geräte wie das Midland GB1-R. Was ich mich aber gefragt habe: Wie viele Leute schrauben sich heute für den Urlaub wirklich noch eine Antenne aufs Dach, wenn man auch einfach telefonieren kann? Vielleicht ist das eher was für echte Enthusiasten.

Was mir wirklich gut gefallen hat, war der Abschnitt über den „T-Day“. Das ist anscheinend so ein regelmäßiges Treffen – jeden 3. Samstag im Monat ab 21:00 Uhr. Man trifft sich auf Kanal 3. Das wirkt wie ein geheimes Netzwerk von Leuten, die einfach mal testen wollen, ob ihr Gerät überhaupt noch funktioniert. Das hat was Gemeinschaftliches, was dem Buch eine sympathische Note gibt.

Die Sache mit dem Notfunk

Ein Kapitel, das mich etwas nachdenklich zurückgelassen hat, war das über Not- und Katastrophenlagen. Domhöfer bezieht sich auf die Flutkatastrophen in Deutschland. Er kritisiert, dass PMR446 von offizieller Seite kaum als Kommunikationsmittel in Betracht gezogen wird. Seine „3-er-Regel“ – alle 3 Stunden für 3 Minuten auf Kanal 3 senden – ist ein interessanter Ansatz, um Strom zu sparen, wenn kein Netz mehr da ist. Aber ob das im Ernstfall wirklich jemand weiß? Es wirkt ein bisschen wie eine einsame Forderung an die Politik und die Hersteller. Vielleicht ist das auch ein bisschen zu optimistisch gedacht, aber der Gedanke an sich ist nicht falsch.

Der Retevis-Marathon

Am Ende wird das Buch fast zu einem kleinen Katalog. Er stellt eine ganze Reihe von Geräten der Firma Retevis vor. Er gibt zwar zu, dass er die Kiste mit Testgeräten von denen bekommen hat, aber er wirkt dabei nicht wie ein bezahlter Werbeonkel. Sein Reichweitentest auf dem Balkon – vierte Etage, Blick nach Süden – ist so herrlich hemdsärmelig. Er baut sich einen „Papagei“ (Voicerepeater), der das Signal einfach wiederholt. Da hat er dann festgestellt, dass das RT27 und das RT648 eigentlich ganz gut abschneiden. Dass das winzige RT618 bei 4,5 km Entfernung noch ein bisschen was verständliches rausspuckt, hätte ich gar nicht erwartet.

Mein Fazit: Ein Buch für Macher, weniger für Leseratten

Insgesamt ist „Funken PMR446“ ein sehr spezielles Werk. Es ist kein literarisches Highlight, die Sätze sind manchmal etwas verschachtelt oder eben sehr simpel gehalten. Es gibt auch kleine Redundanzen, wenn er zum Beispiel mehrfach betont, wie wichtig die Antennenhöhe ist. Aber man merkt Domhöfer an, dass er das Thema lebt. Er schreibt nicht von oben herab.

Es ist vielleicht nicht ganz klar, ob ein absoluter Neuling nach den 94 Seiten wirklich zum Funk-Experten wird. Aber wer sich gerade ein Set Funkgeräte für den nächsten Campingurlaub gekauft hat und wissen will, was die Knöpfe eigentlich wirklich tun, für den ist es genau richtig. Es ist ein ehrliches Buch. Ein bisschen unperfekt, ein bisschen technisch, aber mit Herzblut geschrieben. Am Ende bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass man sich vielleicht doch mal wieder so ein Gerät schnappen sollte. Einfach um zu sehen, wen man da draußen auf Kanal 3 so trifft.

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